Kredit & Finanzierung

Kreditanalyst

Prüft Kreditanträge unabhängig vom Vertrieb, bewertet Bonität und Sicherheiten und gibt das zweite Votum – die Unterschrift, die der Markt nicht selbst leisten darf.

Weg in die Rolle
36 Monate (3 Jahre)
Ausbildung
1.300 €
Berufseinstieg
3.700 €
Studium
BWL oder Wirtschaftsrecht (B.Sc.) oder Bankausbildung mit Bankbetriebswirt

Die Aufgaben

  • Jahresabschlüsse und Planzahlen auswerten
  • Kapitaldienstfähigkeit rechnen und plausibilisieren
  • Rating erstellen und begründen
  • Sicherheiten bewerten und Beleihungsgrenzen anwenden
  • Zweitvotum schreiben und Auflagen formulieren

Was die Rolle zahlt

Monatsbrutto auf den einzelnen Stufen des Weges in diese Rolle. Es sind Orientierungswerte; was ein Haus tatsächlich zahlt, hängt am Tarif, an der Entgeltgruppe und an der Größe des Instituts.

Ausbildung 1.300 € / Monat

entspricht 15.600 € im Jahr

Berufseinstieg 3.700 € / Monat

entspricht 44.400 € im Jahr

Mit 2–3 Jahren Erfahrung

4.100–5.000 €

Orientierungswerte. Analysestellen sind tariflich eingruppiert; Höhe und Spanne folgen der Tarifgruppe des jeweiligen Tarifvertrags sowie der Größe der bearbeiteten Engagements. Die untere Stufe ist die Vergütung während der Ausbildung oder eines dualen Studiums.

Was macht ein Kreditanalyst?

Ein Kreditanalyst beurteilt, ob ein Kredit vergeben werden kann, und zwar ausdrücklich nicht als Teil des Vertriebs. Die Mindestanforderungen an das Risikomanagement – die MaRisk – verlangen, dass bei Kreditentscheidungen zwei voneinander unabhängige Voten vorliegen, eines aus dem Markt und eines aus der Marktfolge. Das zweite Votum ist die Arbeit dieser Rolle, und es ist mehr als eine Gegenzeichnung: es kann einen Antrag ablehnen, den der Berater befürwortet hat.

Beurteilt wird die Kapitaldienstfähigkeit – ob der Kunde Zins und Tilgung aus dem laufenden Geschäft oder Einkommen tragen kann, auch bei schlechteren Annahmen. Dazu kommen das Rating, die Bewertung der Sicherheiten und die Frage, welche Auflagen ein vertretbares Engagement aus einem grenzwertigen machen: Eigenmittel, Nachrangerklärung, Berichtspflichten, Covenants.

Der Arbeitsalltag

Die Arbeit ist überwiegend Lesen und Rechnen. Auf dem Tisch liegen Jahresabschlüsse, Steuerbescheide, Vermögensaufstellungen, Planrechnungen, Objektunterlagen. Bei Engagements ab den Schwellen des § 18 KWG – insgesamt mehr als 750.000 Euro oder zehn Prozent des anrechenbaren Eigenkapitals – muss das Institut sich die wirtschaftlichen Verhältnisse offenlegen lassen; fehlende Unterlagen sind deshalb kein Formfehler, sondern ein Grund, nicht zu entscheiden.

Der Ton mit dem Vertrieb ist meistens sachlich und gelegentlich nicht. Ein Berater, der einem Kunden einen Termin zugesagt hat, drängt; ein Analyst, der eine Bilanz noch nicht verstanden hat, entscheidet nicht. Diese Reibung ist eingebaut und aufsichtlich gewollt. Belastend sind vor allem die Stapel: In vielen Häusern ist die Marktfolge dünn besetzt, die Fluktuation höher als im Vertrieb, und Bearbeitungszeiten sind Gegenstand ständiger Diskussion.

Was die Rolle verlangt

Verbreitet sind zwei Wege: der Direkteinstieg nach einem betriebswirtschaftlichen Studium mit Schwerpunkt Finanzierung oder die Bankausbildung mit anschließendem Bankbetriebswirt. Wer aus der Beratung kommt, bringt Kundennähe mit und muss sie ablegen; wer aus dem Studium kommt, bringt die Technik mit und muss die Praxis lernen.

Fachlich unverzichtbar ist Bilanzanalyse einschließlich der Bereinigungen, die keine Bilanz von selbst ausweist. Dazu Sicherheitenrecht: Grundschuld, Sicherungsübereignung, Bürgschaft, Zession und die Frage, was davon in einer Insolvenz tatsächlich trägt. Und die Fähigkeit, ein Votum so zu schreiben, dass ein Dritter drei Jahre später versteht, warum entschieden wurde – die Revision liest genau das.

Was man verdient

Der Einstieg liegt meist zwischen 3.500 und 3.900 Euro brutto im Monat, mit Erfahrung und höherer Kompetenzstufe zwischen 4.100 und 5.000 Euro, dazu die tarifliche Sonderzahlung. Vergütet wird nach dem TVöD-Sparkassen, dem Tarifvertrag für das private Bankgewerbe oder dem Tarifvertrag für Volksbanken und Raiffeisenbanken. Variable Anteile sind hier bewusst klein oder nicht vorhanden: Wer Kredite votiert, soll am Volumen nicht verdienen.

Wie es weitergeht

Ein Weg führt tiefer in die Spezialisierung – gewerbliche Immobilien, Projektfinanzierung, Sanierung und Abwicklung, wo aus dem Analysten ein Verhandler wird. Ein zweiter in das Risikocontrolling, wo dieselben Engagements nicht einzeln, sondern als Portfolio betrachtet werden. Ein dritter in die Revision. Und weil Kreditkompetenz knapp ist, ist der Weg in die Leitung einer Marktfolgeeinheit realistischer als in vielen anderen Bereichen.

Das sollten Sie mitbringen

Stärken

  • • Nüchternheit gegenüber guten Geschichten
  • • Sorgfalt beim Rechnen
  • • Standfestigkeit gegenüber dem Vertrieb
  • • Schreibfähigkeit für begründete Voten

Studium & Vorwissen

  • • Bilanzanalyse
  • • Kredit- und Sicherheitenrecht
  • • Rechnungswesen
  • • Bankaufsichtsrecht

Ein Studium ist für diese Rolle nicht in jedem Fall nötig: Der übliche Weg in eine Bank führt über die Ausbildung zum Bankkaufmann und die Weiterbildung zum Bankfachwirt. Entscheidend ist seltener der Abschluss als die Abteilung, in der man vorher gesessen hat.

Wo gearbeitet wird

  • Marktfolge Aktiv einer Sparkasse
  • Kreditabteilung einer Genossenschaftsbank
  • Kreditrisikomanagement einer Privatbank
  • Spezialinstitut oder Förderbank

Wie es danach weitergeht

  • Spezialisierung auf gewerbliche Immobilien oder Sanierungsfälle
  • Kreditreferent mit eigener Kompetenzstufe
  • Wechsel in Risikocontrolling oder Revision
  • Leitung der Marktfolge

Häufige Fragen

Wie lange dauert der Weg zum Kreditanalyst?

Üblich sind 36 Monate (3 Jahre) von der Ausbildung bis in die Rolle. Wer über ein Studium einsteigt, ist meist schneller dort; wer aus einer anderen Abteilung wechselt, braucht länger.

Was verdient man als Kreditanalyst?

Zum Berufseinstieg rund 3.700 Euro brutto im Monat. Mit zwei bis drei Jahren Erfahrung liegt die Spanne meist zwischen 4.100 und 5.000 Euro.

Welche Voraussetzungen braucht man?

Erwartet wird BWL oder Wirtschaftsrecht (B.Sc.) oder Bankausbildung mit Bankbetriebswirt. Fachlich geht es um Bilanzanalyse, Kredit- und Sicherheitenrecht, Rechnungswesen und Bankaufsichtsrecht; persönlich zählen vor allem Nüchternheit gegenüber guten Geschichten, Sorgfalt beim Rechnen, Standfestigkeit gegenüber dem Vertrieb und Schreibfähigkeit für begründete Voten.

Wie geht es von dieser Rolle aus weiter?

Typische Wege sind Spezialisierung auf gewerbliche Immobilien oder Sanierungsfälle, Kreditreferent mit eigener Kompetenzstufe, Wechsel in Risikocontrolling oder Revision oder Leitung der Marktfolge. Das Gehalt liegt dann meist zwischen 4.100 und 5.000 Euro brutto im Monat.

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