Das Anschreiben ist der am meisten gefürchtete und am wenigsten geliebte Teil der Bewerbung. Viele schreiben es zuletzt, in dreißig Minuten, und merken selbst, dass es nach nichts klingt. Dabei ist es der einzige Ort, an dem Sie erklären können, was der Lebenslauf nicht zeigt.
Wofür das Anschreiben da ist
Der Lebenslauf beantwortet: Was haben Sie gemacht? Das Anschreiben beantwortet: Warum passt das zu genau dieser Stelle in genau diesem Haus?
Das ist der ganze Zweck. Wenn Ihr Anschreiben den Lebenslauf in Fließtext wiederholt, hat es keine Aufgabe erfüllt. Und wenn es auf jede zweite Bankausschreibung passen würde, auch nicht.
Bei Kreditinstituten kommt eine Besonderheit hinzu, die viele unterschätzen: Der Ton der Branche ist zurückhaltend. Wer im Anschreiben auftrumpft, wirkt nicht souverän, sondern unpassend. Präzision gewinnt gegen Begeisterung.
Der Aufbau in vier Absätzen
Absatz 1: Der Bezug
Kein "hiermit bewerbe ich mich". Steigen Sie mit dem ein, was Sie mit dieser Stelle verbindet.
Ihre Ausschreibung für die Kreditanalyse im Firmenkundengeschäft habe ich mit Interesse gelesen. Ich arbeite seit vier Jahren in der Marktfolge einer Genossenschaftsbank und votiere dort Engagements bis in den einstelligen Millionenbereich - dieselbe Aufgabe, nur in einem kleineren Haus.
Das ist der erste Satz, und er sagt zwei Dinge: Ich habe die Anzeige gelesen, und ich kenne die Aufgabe aus der Praxis.
Absatz 2: Was Sie können - mit Beleg
Hier gehört die Berufserfahrung hin, aber nicht als Liste. Nehmen Sie einen Vorgang, der zur Stelle passt, und erzählen Sie in drei bis vier Sätzen, was Sie getan haben und was dabei herauskam.
Bei der Übernahme eines Bestands aus einer fusionierten Filiale habe ich rund 300 Kundenverbindungen neu bewertet. In elf Fällen stimmte die hinterlegte Sicherheitenbewertung nicht mehr mit der Aktenlage überein. Die Nachbearbeitung hat drei Monate gedauert und war unangenehm, aber danach war der Bestand prüfungsfest.
Ein solcher Absatz ist mehr wert als jede Selbstbeschreibung. Er zeigt fachliches Verständnis, Sorgfalt und die Bereitschaft, unbequeme Arbeit zu Ende zu bringen. Alle drei Dinge lassen sich nicht behaupten, nur zeigen.
Wenn Sie aus der Ausbildung kommen und noch keinen solchen Vorgang haben, nehmen Sie einen aus der Ausbildung. Ein Kundengespräch, das schwierig war. Eine Kasse, die nicht gestimmt hat, und wie der Fehler gefunden wurde. Der Maßstab ist nicht die Größe des Falls, sondern was Sie daran gelernt haben.
Absatz 3: Warum dieses Haus
Der Absatz, der am häufigsten verunglückt. "Ihr innovatives Institut mit spannenden Aufgaben" ist keine Begründung, sondern eine Füllfloskel.
Hier hilft, dass Banken sich in einem Punkt verlässlich unterscheiden: in ihrer Trägerschaft und in ihrem Auftrag. Eine Sparkasse ist ein öffentlich-rechtliches Institut mit kommunalem Träger und einem öffentlichen Auftrag in ihrem Geschäftsgebiet. Eine Genossenschaftsbank gehört ihren Mitgliedern. Eine Privatbank gehört ihren Eigentümern oder Aktionären. Das ist keine Feinheit, das prägt den Alltag - und wer darauf Bezug nimmt, hat sichtbar hingesehen.
Dass Sie das Firmenkundengeschäft bewusst regional halten und Entscheidungen nicht in eine Zentrale verlagern, ist für mich der interessante Punkt: Ich möchte weiter mit den Unternehmen sprechen, über deren Kredite ich votiere.
Wenn Sie nichts Konkretes über das Haus wissen, wird es schwierig. Dann ist die ehrlichste Variante, den fachlichen Bezug zu nennen, statt Begeisterung zu behaupten.
Absatz 4: Das Organisatorische
Kurz und vollständig: Verfügbarkeit, Kündigungsfrist, Gehaltsvorstellung, wenn sie verlangt wurde.
Mein derzeitiges Arbeitsverhältnis kann ich zum Quartalsende beenden, verfügbar wäre ich damit ab dem 1. Oktober. Für ein Gespräch stehe ich gern zur Verfügung.
Damit ist alles beantwortet, was die Personalabteilung wissen muss - ohne Rückfrage. Wenn eine Gehaltsvorstellung gefordert war, gehört sie hierhin und nirgendwo anders.
Länge und Form
Eine Seite ist die Obergrenze und bei Bankbewerbungen auch die übliche Länge. Absätze mit Leerzeile dazwischen, keine Blocksatz-Wüste.
Die Anrede: Wenn in der Anzeige eine Person genannt ist, sprechen Sie sie an. Wenn nicht, ist "Sehr geehrte Damen und Herren" hier tatsächlich in Ordnung - Banken sind eine Branche, in der konventionelle Formen nicht als Einfallslosigkeit gelesen werden.
Formulierungen, die Sie streichen können
Diese Sätze stehen in fast jedem Anschreiben und sagen nichts:
- "Hiermit bewerbe ich mich um..." - das ist aus dem Betreff bereits klar
- "Ich bin ein Teamplayer" - behauptet jeder
- "Ihr renommiertes Haus" - passt auf jedes Haus
- "Ich bin hochmotiviert" - wäre die Bewerbung sonst hier?
- "Der Umgang mit Zahlen liegt mir" - bei einer Bankbewerbung eine Selbstverständlichkeit
- "Über eine Einladung würde ich mich sehr freuen" - höflich, aber verzichtbar
Ersetzen Sie jede dieser Floskeln durch ein Beispiel. Statt "sorgfältig": ein Satz darüber, wie Sie einen Fehler gefunden haben, den keiner gesucht hat.
Zwei Fehler, die teuer sind
Der falsche Institutsname. Passiert bei Serienbewerbungen, und es ist sofort vorbei. Besonders ärgerlich in einer Branche mit vielen ähnlichen Namen. Lesen Sie vor dem Absenden immer den ganzen Text, nicht nur die geänderte Stelle.
Fachliche Übertreibung. "Umfassende Erfahrung in der Wertpapierberatung" nach einem halben Jahr Vertretung ist gefährlich, weil im Gespräch nachgefragt wird - und in Banken wird fachlich nachgefragt. Genau treffen ist möglich: "Wertpapierberatung in Vertretung über sechs Monate, Sachkunde nach § 87 WpHG liegt vor."
Wenn Sie von außen kommen
Ein Seiteneinstieg in eine Bank ist möglich, gerade in Marktfolge, Risikocontrolling, Meldewesen und IT. Das Anschreiben muss dann eine zusätzliche Frage beantworten: Warum jetzt eine Bank?
Die schlechte Antwort ist Sicherheit. Die gute Antwort ist die Aufgabe. Wer aus der Wirtschaftsprüfung kommt, kennt Jahresabschlüsse besser als viele Kreditanalysten. Wer aus dem Controlling eines Mittelständlers kommt, weiß, wie die Zahlen entstehen, die er künftig beurteilt. Genau das gehört ins Anschreiben - nicht die Behauptung, man wolle sich verändern.
Zum Schluss
Ein gutes Anschreiben ist kein Kunstwerk. Es ist ein kurzer, konkreter Text, aus dem hervorgeht, dass Sie die Stelle gelesen haben, dass Sie wissen, in welcher Art Haus Sie sich bewerben, und wann Sie anfangen können. Wer das in vier Absätzen schafft, ist weiter als die meisten.
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