Bewerbung

Das Vorstellungsgespräch in der Bank: Fachfragen und Assessment-Center

7 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Kein Rätselraten, kein Auswendiglernen - worauf in Bankgesprächen wirklich geachtet wird, welche Fachfragen sicher kommen und was im Assessment-Center passiert.

Die Einladung ist da, und im Kalender steht "Vorstellungsgespräch, 60 Minuten" - oder, unangenehmer, "Auswahltag, 9 bis 16 Uhr". Für viele ist das der schwerste Teil der Bewerbung, vor allem, weil unklar ist, was geprüft wird. Die gute Nachricht: Es ist selten das, was befürchtet wird.

Der übliche Ablauf

Bei größeren Instituten sind es meist zwei Stufen. Die erste führt die Personalabteilung, dauert dreißig bis vierzig Minuten und klärt Formales: Werdegang, Verfügbarkeit, Gehaltsvorstellung, Motivation. Das ist kein Fachgespräch, und man kann es trotzdem verlieren - vor allem, wenn man auf die Frage nach der Motivation nichts Konkretes sagen kann.

Die zweite Stufe führt die Fachabteilung, oft zusammen mit der Personalabteilung. Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken sitzt häufig ein Mitglied des Personal- oder Betriebsrats dabei. Das wirkt formell und ist es auch; es bedeutet nicht, dass das Gespräch schwerer wird.

Für Ausbildungsplätze und Traineeprogramme kommt eine dritte Form dazu: das Assessment-Center, meist ein halber oder ganzer Tag mit mehreren Bewerbern.

Der Werdegang: die wichtigste Frage der Stunde

Fast jedes Gespräch beginnt mit "Erzählen Sie doch mal von sich". Das ist die Frage, die am meisten verschenkt wird.

Der Fehler: chronologisch von der Schule an. Nach vier Minuten ist man beim Abitur und hat die Aufmerksamkeit verloren.

Besser ist eine kurze Struktur, die Sie sich vorher zurechtlegen:

  1. Wo stehen Sie jetzt? Ein Satz zur aktuellen Aufgabe.
  2. Wie sind Sie dahin gekommen? Zwei bis drei Sätze, nur die Stationen, die zur Stelle führen.
  3. Was haben Sie dabei gelernt, das hier gebraucht wird? Der Übergang zur ausgeschriebenen Aufgabe.
  4. Warum jetzt dieser Schritt? Kurz und ohne Klage über den alten Arbeitgeber.

Drei Minuten reichen. Wer länger braucht, hat nicht vorbereitet.

Die Fachfragen

Hier kursieren viele Schauergeschichten. In der Praxis geht es selten um Exotisches und fast immer um Grundlagen der eigenen Rolle. Die Klassiker, sortiert nach Bereich:

Im Privatkundengeschäft. Wie beraten Sie einen Kunden, der eine Anlage will und Risiko ablehnt? Welche Angaben brauchen Sie, bevor Sie überhaupt ein Produkt vorschlagen dürfen? Hier wird geprüft, ob Sie die Reihenfolge kennen: erst Erhebung von Kenntnissen, Erfahrungen, Anlageziel und finanziellen Verhältnissen, dann Eignungsprüfung, dann Empfehlung - und ob Sie die Dokumentation nicht als Bürokratie, sondern als Teil der Beratung verstehen.

In der Baufinanzierung. Wie kommen Sie auf den Beleihungswert, und warum ist er nicht der Kaufpreis? Was passiert am Ende der Sollzinsbindung? Wer das saubere Verhältnis von Kaufpreis, Beleihungswert und Beleihungsauslauf erklären kann, hat diesen Teil bestanden.

Im Kreditgeschäft und in der Marktfolge. Was lesen Sie zuerst im Jahresabschluss? Wie unterscheiden Sie Kapitaldienstfähigkeit von Bonität? Und mit Sicherheit: Warum braucht ein risikorelevantes Kreditgeschäft zwei Voten? Die Antwort auf die letzte Frage ist eine Aufsichtsvorgabe - die Mindestanforderungen an das Risikomanagement, kurz MaRisk, verlangen, dass Markt und Marktfolge getrennt sind und dass beide Seiten ein eigenes Votum abgeben. Wer das erklären kann, zeigt, dass er den Zweck der Trennung verstanden hat und nicht nur die Organigrammkästen kennt.

In Compliance und Geldwäscheprävention. Was ist ein Verdachtsfall, und was tun Sie damit? Hier gehört die Kenntnis dazu, dass jeder Verpflichtete nach § 7 des Geldwäschegesetzes einen Geldwäschebeauftragten und einen Stellvertreter bestellt, dass diese Funktion auf Führungsebene angesiedelt und der Leitungsebene unmittelbar berichtspflichtig ist - und dass eine Verdachtsmeldung nicht mit dem Kunden besprochen wird.

Im Meldewesen und Risikocontrolling. Welche Meldungen kennen Sie, in welchem Rhythmus? Wo kommen die Daten her? Diese Fragen prüfen weniger Wissen als Erfahrung mit dem Alltag: wer schon einmal eine Meldung unter Termindruck fertig gemacht hat, redet anders darüber.

Für alle Rollen. Rechnen Sie damit, dass nach der Trennung von Markt und Marktfolge, nach der Sachkunde für die Anlageberatung und nach den Grundzügen der Geldwäscheprävention gefragt wird - unabhängig von der ausgeschriebenen Stelle. Das ist Allgemeinbildung im Kreditgewerbe.

Was passiert, wenn Sie etwas nicht wissen

Das ist der Punkt, an dem sich Gespräche entscheiden - und zwar nicht so, wie viele denken.

Niemand erwartet, dass ein Bewerber jede Vorschrift kennt. Erwartet wird eine ehrliche Reaktion. "Das habe ich in meiner bisherigen Rolle nicht gebraucht. Ich würde vermuten, dass es in diese Richtung geht - liege ich da richtig?" ist eine gute Antwort. Sie zeigt Grenzen und Denkbereitschaft zugleich.

Was schadet: raten und dabei so klingen, als wüsste man es. In einer Branche, in der falsche Sicherheit später Geld kostet, ist das der schlechteste Eindruck, den man machen kann.

Das Assessment-Center

Bei Ausbildung und Trainee-Einstieg ist das der Standard. Die Bausteine wiederholen sich von Haus zu Haus:

Ein Kundengespräch als Rollenspiel. Der häufigste Baustein. Ein Prüfer spielt den Kunden, meist mit einem Einwand. Worauf geachtet wird: ob Sie zuerst fragen oder zuerst verkaufen. Wer nach zwei Sätzen ein Produkt nennt, hat es nicht bestanden. Wer den Bedarf klärt, bevor er etwas anbietet, hat es fast schon.

Eine Gruppendiskussion. Vier bis sechs Bewerber, ein Thema, zwanzig Minuten. Geprüft wird nicht, wer sich durchsetzt, sondern wer die Gruppe weiterbringt. Wer einmal sagt "wir haben zwei Punkte offen, lassen wir uns auf einen einigen", fällt positiv auf. Wer am lautesten ist, nicht.

Eine Präsentation. Oft ein vorbereitetes Thema, manchmal eine kurze Aufgabe vor Ort. Die Zeitvorgabe ist Teil der Aufgabe: Überziehen wird bemerkt.

Eine Rechenaufgabe oder ein Postkorb. Zinsrechnung, Prozentrechnung, Dreisatz - nichts Höheres, aber unter Zeitdruck. Der Postkorb prüft Priorisierung: mehr Aufgaben als Zeit, und die Frage ist, was Sie liegen lassen und warum.

Ein Einzelgespräch. Wie oben beschrieben.

Vorbereiten lässt sich das nur begrenzt, und das ist beabsichtigt. Was hilft: Kopfrechnen üben, ein Kundengespräch einmal laut mit jemandem durchspielen, und sich vorher überlegen, welche Rolle man in einer Gruppe natürlich einnimmt.

Ihre Fragen

"Haben Sie noch Fragen?" ist keine Höflichkeitsfloskel, sondern der letzte Prüfungsteil. Wer nichts fragt, wirkt uninteressiert.

Gute Fragen zielen auf die Arbeit selbst:

  • Wie ist die Stelle zugeschnitten - welcher Anteil Kundenkontakt, welcher Anteil Bearbeitung?
  • Wie groß ist der Kundenstamm, den ich übernehmen würde?
  • Wie sind hier die Kompetenzen geregelt - ab welchem Betrag entscheide ich nicht mehr allein?
  • Welche Fortbildung unterstützt das Haus, und in welcher Form?
  • Warum ist die Stelle frei?

Die letzte Frage ist unangenehm und wirksam. Eine ehrliche Antwort darauf sagt mehr über ein Haus als jede Selbstdarstellung.

Weniger geeignet sind Fragen, deren Antwort auf der Website steht, und Fragen nach Urlaub und Gleitzeit, bevor über die Aufgabe gesprochen wurde.

Eine Woche Vorbereitung, die reicht

Tag 1 und 2: Den eigenen Werdegang aufarbeiten. Die vier Punkte von oben aufschreiben und einmal laut sprechen. Nicht auswendig lernen - einmal laut genügt, um Lücken zu finden.

Tag 3: Fachliche Grundlagen der eigenen Rolle wiederholen. Für Beratungsstellen die Reihenfolge der Beratung und die Dokumentation, für Kreditstellen Kapitaldienstfähigkeit, Sicherheiten und die Trennung von Markt und Marktfolge.

Tag 4: Das Haus ansehen. Geschäftsbericht überfliegen, Trägerschaft klären, Geschäftsgebiet und Größe. Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken lohnt der Blick, ob kürzlich fusioniert wurde - das ist oft der Grund, warum Stellen frei sind.

Tag 5: Kopfrechnen und, wenn ein Assessment-Center angekündigt ist, ein Kundengespräch durchspielen.

Mehr braucht es nicht. Wochenlanges Auswendiglernen von Vorschriften bringt in einem Bewerbungsgespräch wenig - dort wird geprüft, wie Sie denken, nicht wie viel Sie gespeichert haben.

Am Tag selbst

Kleidung: eine Stufe formeller als das Haus, wenn Sie unsicher sind. In einer Bank ist das nie falsch.

Bei einem Gespräch per Video: Technik zehn Minuten vorher prüfen, Kamera an, ruhiger Hintergrund.

Und danach: eine kurze Mail, in der Sie sich für das Gespräch bedanken und auf einen Punkt eingehen, der Ihnen hängengeblieben ist. Kostet fünf Minuten und wird erstaunlich oft gelesen.

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