Die Ausbildung zum Bankkaufmann ist in einem Punkt ungewöhnlich: Sie ist selten das Ende der Qualifikation, sondern deren Anfang. In fast keiner anderen kaufmännischen Ausbildung ist der Anteil derer, die danach weiterlernen, so hoch. Das liegt an der Branche - Kompetenzen, Kundengruppen und ein Teil der Vergütung hängen an nachgewiesener Qualifikation.
Der Ausgangspunkt: die Ausbildung
Bankkaufmann und Bankkauffrau ist ein anerkannter Ausbildungsberuf. Die Ausbildung ist dual - Betrieb und Berufsschule -, dauert in der Regel drei Jahre und endet mit der Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer. Bei gutem Abschluss oder mit Abitur ist eine Verkürzung möglich; ob das Institut sie mitmacht, ist Verhandlungssache und von Haus zu Haus verschieden.
Was in der Ausbildung passiert, unterscheidet sich zwischen den Instituten stärker, als der Rahmenplan vermuten lässt. Große Häuser rotieren durch viele Abteilungen, kleinere lassen früher in der Filiale mitarbeiten. Beides hat Vorteile: mehr Überblick auf der einen Seite, mehr eigene Kundenkontakte auf der anderen.
Der Geprüfte Bankfachwirt
Der erste Schritt nach der Ausbildung und der mit Abstand häufigste. Der Geprüfte Bankfachwirt ist eine öffentlich-rechtlich geregelte Aufstiegsfortbildung, geprüft von der Industrie- und Handelskammer.
Was Voraussetzung ist: In der Regel die abgeschlossene Ausbildung zum Bankkaufmann und eine gewisse Zeit Berufspraxis. Die genauen Zulassungsvoraussetzungen stehen in der Prüfungsordnung der zuständigen Kammer; wer die Ausbildung nicht im Kreditgewerbe gemacht hat, kann in vielen Fällen über längere Berufspraxis zugelassen werden.
Was er bringt: Er ist die Eintrittskarte für Aufgaben mit eigener Kompetenz - Beratung mit eigenem Kundenstamm, Kreditentscheidungen bis zu einer bestimmten Grenze, Gruppen- oder Teamleitung in der Filiale. In vielen Häusern ist er außerdem Voraussetzung dafür, überhaupt in eine höhere Tarifgruppe zu kommen. Wie das genau geregelt ist, hängt am Tarifvertrag und an den internen Stellenbeschreibungen des Hauses.
Was er kostet: Zeit, vor allem. Die Fortbildung läuft in der Regel berufsbegleitend über mehrere Semester, mit Abendunterricht oder Wochenendblöcken. Die Kursgebühren tragen viele Institute ganz oder teilweise, oft verbunden mit einer Bindungsfrist: wer innerhalb einer bestimmten Zeit nach dem Abschluss kündigt, zahlt anteilig zurück. Diese Klausel ist verbreitet und gehört vor der Zusage gelesen.
Wann er sinnvoll ist: Wenn Sie in der Bank bleiben und in eine Rolle mit eigener Verantwortung wollen. Für den Wechsel in eine ganz andere Branche bringt er dagegen wenig - er ist eine Fachqualifikation, kein allgemeiner Ausweis.
Der Bankbetriebswirt
Die Stufe darüber. Der Bankbetriebswirt baut auf dem Bankfachwirt auf und wird von Bildungsanbietern der Branche vergeben - traditionell von der Frankfurt School of Finance & Management, die aus der Bankakademie hervorgegangen ist, sowie von weiteren Instituten. Anders als beim Bankfachwirt handelt es sich nicht um eine IHK-Prüfung, sondern um einen Abschluss des jeweiligen Anbieters.
Was er bringt: Er zielt auf Führung und auf Spezialistenrollen - Filialleitung, Bereichsleitung im Firmenkundengeschäft, anspruchsvolle Aufgaben in Marktfolge, Risikocontrolling oder Treasury. In vielen Häusern ist er der eingespielte Weg in die zweite Führungsebene.
Was er kostet: Deutlich mehr Zeit als der Bankfachwirt und in der Regel mehr Geld. Auch hier übernehmen viele Institute einen Teil, meist gegen Bindungsfrist.
Was oft unterschätzt wird: Der Aufwand fällt in eine Lebensphase, in der auch anderes läuft. Wer den Weg geht, sollte vorher rechnen, wie viele Abende über wie viele Jahre gebunden sind, und das mit dem Umfeld besprechen. Abbrüche liegen in dieser Fortbildung fast nie am Stoff.
Das Studium
Der dritte Weg, und er hat mehrere Varianten.
Duales Studium von Anfang an. Viele Institute bieten es statt der klassischen Ausbildung an, oft in Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Bank oder Finanzdienstleistungen. Bachelor und Praxis laufen parallel. Der Preis ist Tempo: Drei Jahre ohne Semesterferien im üblichen Sinn sind anstrengender, als die Beschreibungen klingen.
Berufsbegleitendes Studium nach der Ausbildung. Ein Bachelor oder Master an einer Fern- oder Abendhochschule, häufig in Banking and Finance. Das dauert länger als der Bankbetriebswirt, ist aber außerhalb der Branche mehr wert - ein akademischer Grad wird überall gelesen, ein Bankbetriebswirt nur im Kreditgewerbe.
Wann sich das lohnt: Wenn Sie in Bereiche wollen, in denen ein Studium faktisch erwartet wird. Das gilt für Risikocontrolling, Treasury, Kapitalmarktgeschäft, Meldewesen und für Stabsfunktionen in größeren Häusern. In der Filiale ist der Bankfachwirt oft der direktere Weg.
Die Sachkundenachweise
Diese Gruppe ist keine Weiterbildung im Sinne eines Aufstiegs, sondern die Voraussetzung dafür, bestimmte Aufgaben überhaupt ausüben zu dürfen. Wer sie hat, ist einsetzbar; wer sie nicht hat, ist es nicht.
Sachkunde für die Anlageberatung. § 87 des Wertpapierhandelsgesetzes verlangt von Wertpapierdienstleistungsunternehmen, dass ihre Anlageberater, Vertriebsbeauftragten und Mitarbeiter der Compliance-Funktion sachkundig und zuverlässig sind; diese Mitarbeiter sind der BaFin anzuzeigen, und Beschwerden über Anlageberater sind ebenfalls anzuzeigen. Wie die Sachkunde nachgewiesen wird, regelt eine eigene Verordnung - in der Praxis über die Ausbildung, über Fortbildungsabschlüsse oder über eine institutsinterne Qualifizierung. Wichtig ist: Die Sachkunde muss aufrechterhalten werden, nicht nur einmal erworben.
Sachkunde in der Immobiliardarlehensvermittlung. Wer als gewerblicher Vermittler Immobiliar-Verbraucherdarlehen vermittelt, braucht eine Erlaubnis nach § 34i der Gewerbeordnung und dafür einen Sachkundenachweis. Für Angestellte eines Kreditinstituts gilt diese Erlaubnispflicht nicht - dort verlangt das Kreditwesengesetz vom Institut, die Sachkunde der Mitarbeiter sicherzustellen, die solche Darlehen anbieten oder vermitteln. Praktisch heißt das: Auch in der Bank gibt es diese Qualifikation, sie wird nur anders organisiert. Wer sie mitbringt, ist in der Baufinanzierung sofort einsetzbar.
Fachqualifikationen in Compliance und Geldwäscheprävention. Für den Geldwäschebeauftragten und seinen Stellvertreter, die nach § 7 des Geldwäschegesetzes zu bestellen sind, erwarten Institute in der Praxis eine einschlägige Qualifikation und laufende Fortbildung. Formale Prüfungsordnungen wie beim Bankfachwirt gibt es hier nicht; die Anbieterlandschaft ist bunt, und die Qualität schwankt. Wer in diese Richtung will, sollte vorher fragen, welchen Anbieter das eigene Haus anerkennt.
Ein realistischer Weg
Für die meisten sieht die Reihenfolge so aus:
Jahr 1 bis 3: Ausbildung. Nebenbei genau hinsehen, welcher Bereich einem liegt - Beratung, Bearbeitung oder Kontrolle. Diese Entscheidung ist wichtiger als jede Fortbildung, und sie fällt in dieser Zeit.
Jahr 3 bis 5: In der ersten Rolle ankommen, Sachkunde erwerben, die für die Aufgabe nötig ist. Nicht sofort die nächste Fortbildung anfangen: die erste Zeit mit eigenen Kunden oder eigenen Fällen bringt fachlich mehr als ein paralleler Kurs.
Jahr 4 bis 7: Bankfachwirt, berufsbegleitend.
Danach: Entscheidung zwischen Bankbetriebswirt und Studium - und die hängt davon ab, ob Sie im Kreditgewerbe bleiben wollen oder sich die Tür nach außen offenhalten möchten.
Was den Unterschied macht
Nach zehn Jahren unterscheiden sich zwei Leute mit demselben Abschluss meist nicht an der Fortbildung, sondern an zwei anderen Dingen: wie viele verschiedene Bereiche sie von innen gesehen haben, und ob sie irgendwann einmal eine unangenehme Aufgabe übernommen haben, die keiner wollte.
Fortbildungen sind Voraussetzungen. Sie öffnen Türen, aber sie gehen nicht selbst hindurch.
Die eine Frage, die Sie früh klären sollten
Fragen Sie im Haus, welche Fortbildung wie unterstützt wird - und zwar konkret: welcher Anbieter, welcher Anteil der Kosten, wie viele Arbeitstage werden freigestellt, wie lang ist die Bindungsfrist.
Institute, die sich vorbereitet haben, können das beantworten. Wo die Antwort vage bleibt, wird es später vage bleiben. Auch das ist eine Information.
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