Berufseinstieg

Sparkasse, Volksbank oder Privatbank: Was der Unterschied für die Karriere bedeutet

6 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Drei Säulen, drei Eigentümerstrukturen, drei völlig verschiedene Arbeitsalltage. Wem gehört das Haus, in dem Sie arbeiten - und was folgt daraus für Aufstieg, Tarif und Wechsel.

Wer sich in Deutschland bei einer Bank bewirbt, bewirbt sich in einer von drei Säulen. Das klingt nach Lehrbuch und ist es auch - aber es ist kein Lehrbuchwissen ohne Folgen. Die Säule entscheidet mit darüber, wem das Haus gehört, wie schnell entschieden wird, welcher Tarifvertrag gilt und wohin man von dort aus wechseln kann.

Die drei Säulen in einem Absatz

Sparkassen sind in der Regel öffentlich-rechtliche Institute. Ihr Träger ist eine Kommune oder ein Zweckverband, sie arbeiten im Regionalprinzip - also in einem festgelegten Geschäftsgebiet - und sie haben einen öffentlichen Auftrag, der über die Gewinnerzielung hinausgeht.

Genossenschaftsbanken, also Volksbanken, Raiffeisenbanken, Sparda- und PSD-Banken, gehören ihren Mitgliedern. Wer Anteile hält, ist Miteigentümer und hat in der Generalversammlung eine Stimme - unabhängig von der Höhe der Beteiligung. Auch sie arbeiten regional.

Private Banken reichen von den Großbanken über Regionalbanken und Direktbanken bis zu den Privatbankiers und den Niederlassungen ausländischer Institute. Eigentümer sind Aktionäre oder Gesellschafter, das Geschäftsgebiet ist nicht begrenzt.

Wichtig ist nur eines: Alle drei sind Kreditinstitute und unterliegen derselben Aufsicht. Was für eine Sparkasse gilt, gilt auch für eine Privatbank - Eigenkapitalanforderungen, Risikomanagement, Geldwäscheprävention, Anlegerschutz. Die Unterschiede liegen nicht in den Regeln, sondern in der Struktur.

Was das im Alltag bedeutet

Entscheidungswege

Sparkasse und Genossenschaftsbank. Entscheidungen fallen im Haus, oft schnell, aber innerhalb engerer Kompetenzgrenzen. Ein Kredit über der eigenen Kompetenz geht in den Vorstand oder in einen Ausschuss - und der sitzt zwei Türen weiter. Das ist ein echter Vorteil im Firmenkundengeschäft: der Kunde spricht mit jemandem, der mitentscheidet.

Große Privatbank. Kompetenzen sind höher, aber standardisierter. Vieles läuft über Systeme, Scoring und zentrale Einheiten. Was in der Sparkasse ein Gespräch ist, ist hier ein Prozess. Für einfache Fälle ist das schneller, für Sonderfälle langsamer.

Kundenkontakt

In den regionalen Häusern ist der Kundenstamm über Jahre derselbe. Man kennt Familien über Generationen und erlebt die Folgen eigener Beratung - im Guten wie im Schlechten. Wer das mag, hält es in kaum einem Großhaus so.

In Direktbanken und großen Privatbanken ist der Kontakt punktueller und häufig kanalgebunden. Die Arbeit ist nicht weniger anspruchsvoll, aber sie ist anders getaktet.

Aufstieg

Regionale Häuser sind flach und klein. Zwischen Filialmitarbeiter und Vorstand liegen oft nur drei Ebenen. Das heißt: Der Weg nach oben ist kurz, aber es gibt wenige Plätze, und sie werden selten frei. Wer aufsteigen will, wartet oder wechselt in eine Nachbarsparkasse - was in beiden Verbundgruppen üblich und gut möglich ist.

Große Häuser haben viele Ebenen und viele Stellen. Aufstieg ist häufiger möglich, aber weniger sichtbar; man rückt in eine Position, nicht in eine Rolle, die alle im Haus kennen.

Ein Punkt, der oft übersehen wird: Fusionen. Sparkassen und Genossenschaftsbanken schließen sich seit Jahren zusammen. Für Beschäftigte ist das beides zugleich - Unsicherheit, weil Doppelfunktionen wegfallen, und Chance, weil das fusionierte Haus größer ist und Spezialistenstellen bekommt, die es vorher nicht gab. Wer sich bewirbt, sollte fragen, ob und wann fusioniert wurde.

Vergütung und Tarif

Hier ist der Unterschied am handfestesten.

Sparkassen vergüten in der Regel nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst mit den besonderen Regelungen für Sparkassen - kurz TVöD-S. Das bedeutet ein festes Gefüge aus Entgeltgruppen und Stufen, planbare Entwicklung und wenig individuellen Spielraum. Verhandelt wird zwischen den kommunalen Arbeitgeberverbänden und den Gewerkschaften, nicht am Küchentisch.

Genossenschaftsbanken haben einen eigenen Tarifvertrag für die Volksbanken und Raiffeisenbanken. Das Grundprinzip ist ähnlich: Tarifgruppen, Stufen, geregelte Zulagen.

Private Banken sind teilweise tarifgebunden - für das private Bankgewerbe verhandelt der Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes mit den Gewerkschaften -, teilweise nicht. Privatbankiers, Auslandsbanken und viele spezialisierte Häuser vergüten frei, oft mit einem höheren variablen Anteil.

Was folgt daraus? Im Tarif ist das Einkommen berechenbar und der Verhandlungsspielraum klein. Außerhalb ist mehr möglich, nach oben und nach unten. Wie hoch die Beträge in der jeweiligen Gruppe sind, steht im jeweils gültigen Tarifvertrag; sie ändern sich mit jeder Tarifrunde, und pauschale Angaben dazu sind schnell veraltet.

Arbeitszeit und Nebenbedingungen

In tarifgebundenen Häusern sind Arbeitszeit, Urlaub, Sonderzahlungen und Altersvorsorge im Tarifvertrag geregelt. Das ist unspektakulär und in der Summe viel wert - besonders die betriebliche Altersversorgung, die in Sparkassen und Genossenschaftsbanken traditionell einen erheblichen Beitrag leistet. Wer zwei Angebote vergleicht, sollte sie einrechnen; sie erscheint auf keinem Gehaltszettel und macht über Jahrzehnte einen großen Unterschied.

Wohin man von wo aus wechselt

Das ist die Frage, die bei der Wahl des ersten Arbeitgebers am wenigsten gestellt wird und am meisten Folgen hat.

Innerhalb einer Säule ist der Wechsel einfach. Von einer Sparkasse in die nächste, von einer Volksbank in die nächste: Systeme sind ähnlich, Produkte sind ähnlich, der Verbund kennt sich. Solche Wechsel sind Routine.

Von einem regionalen Haus in ein großes ist gut möglich, besonders in Fachfunktionen. Wer in einer Sparkasse Kreditanalyse gemacht hat, kann sie auch in einer Großbank machen; die fachlichen Grundlagen sind dieselben.

Von einem großen Haus in ein regionales ebenfalls - hier ist manchmal Überzeugungsarbeit nötig, weil regionale Häuser fragen, ob jemand die Breite der Aufgabe will. In einer Sparkassenfiliale macht man mehr verschiedene Dinge und weniger von jedem.

Der schwierigste Wechsel ist der aus einer hochspezialisierten Rolle in einer Großbank in eine breite Rolle irgendwo anders. Wer fünf Jahre nur ein Segment eines Kapitalmarktprodukts betreut hat, ist darin sehr gut und daneben schmal.

Welche Säule zu wem passt

Regionales Haus, wenn Sie eigene Kunden über Jahre begleiten wollen, wenn Ihnen Planbarkeit wichtiger ist als Spitzenverdienst, wenn Sie am Ort bleiben wollen und wenn Sie Breite der Aufgabe der Tiefe vorziehen.

Großes Privathaus, wenn Sie sich spezialisieren wollen, wenn Sie Kapitalmarkt, internationales Geschäft oder Konzernstrukturen interessieren, wenn Sie bereit sind umzuziehen und wenn Ihnen ein variabler Anteil im Einkommen lieber ist als ein fester Automatismus.

Direktbank oder Spezialinstitut, wenn Sie Prozesse und Systeme mehr interessieren als Gespräche - hier liegt ein wachsender Teil der Arbeit in Steuerung, Automatisierung und Kontrolle statt in der Beratung.

Was für alle gilt

Unabhängig von der Säule wird jede Bank von derselben Aufsicht geprüft, muss dieselben Meldungen abgeben, dieselbe Funktionstrennung zwischen Markt und Marktfolge einhalten und dieselben Anforderungen an Sachkunde und Zuverlässigkeit erfüllen. Wer sich fragt, wo weniger Regulierung wartet, sucht vergeblich.

Der eigentliche Unterschied ist ein anderer, und er lässt sich in einer Frage zusammenfassen: Wollen Sie für Mitglieder, für eine Kommune oder für Aktionäre arbeiten? Es gibt darauf keine richtige Antwort. Aber es lohnt, sie sich einmal ehrlich zu stellen, bevor man einen Vertrag unterschreibt.

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